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Gesundheit – Hormonsystem

Das Hormonsystem (endokrines System) steuert mit Hilfe von mehr als 30 Hormonen die Körperfunktionen. Es wird vom zentralen Nervensystem reguliert. Hormone sind chemische Boten- und Signalstoffe, die in verschiedenen Organen des Körpers produziert und über das Blut verteilt werden. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Fortpflanzung, beim Wachstum, beim Stoffwechsel und sie beeinflussen die Psyche und das Verhalten des Menschen. In der linken Figur (unten) sind die endokrinen Drüsen im Torsobereich gezeigt, in der Figur rechts diejenigen im Kopfbereich.

Endokrine Drüsen im Rumpfbereich. Quelle: FSM (Basisbilder: wikimedia commons)
Endokrine Drüsen im Kopfbereich. Quelle: FSM (Basisbilder: wikimedia commons)

Der Einfluss elektromagnetischer Felder

Tagesverlauf der Hormone Melatonin und Cortisol, gemessen an drei Tagen bei derselben Person. Quelle: FSM (Rohdaten: Selmaoui und Touitou, 2003).

In mehreren Studien wurden die Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf das Hormonsystem und auf den Hormonhaushalt untersucht, insbesondere interessiert der Einfluss niederfrequenter Strahlung auf die Melatoninproduktion. Das Hormon Melatonin (Schlafhormon) wird in der Zirbeldrüse hergestellt und spielt (wie andere Hormone, siehe Grafik) eine wichtige Rolle für den Tag-Nacht-Rhythmus. Die Produktion von Melatonin wird wesentlich über das Licht gesteuert. Es wurde vermutet, dass durch niederfrequente Felder die nächtliche Melatoninbildung vermindert und dadurch Schlafstörungen verursacht werden könnten. Sodann vermutete man auch, dass Melatonin eine präventive Wirkung auf die Krebsentstehung hat und eine (durch elektromagnetische Felder bedingte) Reduktion des Melatoninspiegels deshalb die Entstehung von (Brust)krebs begünstigen könnte. Die Vermutungen konnten nicht klar belegt werden. Die angesprochenen Zusammenhänge werden auch für hochfrequente elektromagnetische Felder untersucht. Auch da liess sich kein Einfluss nachweisen.

Die Datenlage für die Wirkung elektromagnetischer Felder auf andere Hormone wie z.B. Stress-, Wachstums- oder Schilddrüsenhormone ist  bisher sehr spärlich. Es liegen, vor allem für den hochfrequenten Bereich, nur wenige Studien vor. Eine fundiert und abschliessende Beurteilung ist daher noch nicht möglich. 

 

Schlussfolgerung

Insgesamt gibt es, so das provisorische Fazit, nur wenige Hinweise, dass elektromagnetische Felder einen gesundheitlich bedeutsamen Einfluss auf das Hormonsystem haben. 

Ausgewählte Literatur (Übersichtsarbeiten)

BioInitiative Working Group (2012). Health effects from radiofrequency electromagnetic fields. BioInitiative Report, www.bioinitiative.org. Section 13.

Bundesamt für Umwelt (BAFU) (2007). Hochfrequente Strahlung und Gesundheit. Bewertung von wissenschaftlichen Studien im Niedrigdosisbereich. Bern: BAFU.

Dürrenberger, G., Leuchtmann, P., Röösli, M., Siegrist, M., Sütterlin, B. (2015). Fachliteratur-Monitoring "EMF von Strom-Technologien". BFE, Bern. Publikation 291030, Kapitel 3.3.6.4.

Halgamuge, M. N. (2013). Pineal melatonin level disruption in humans due to electromagnetic fields and ICNIRP limits. Radiat Prot Dosimetry 154, 4, 405-416.

Hug, K., Röösli, M. (2013). Strahlung von Sendeanlagen und Gesundheit. Bewertung von wissenschaftlichen Studien im Niedrigdosisbereich. Stand: Dezember 2012. Umwelt-Wissen Nr. 1323. Bern: BAFU.

Independent Advisory Group on Non-Ionising Radiation (AGNIR) (2012). Health effects from radiofrequency electromagnetic fields.  U.K. Health Protection Agency, Oxfordshire. Chapter 4.3, 149-152.

International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (ICNIRP) (2010). Guidelines for limiting exposure to time-varying electric and magnetic fields (1Hz to 100kHz). Health Physics, 99, 6, 818-836.

International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection ICNIRP (2009). Exposure to high frequency electromagnetic fields, bilogical effects and health consequences (100 kHz-300 GHz). Chapter II.5.2, 257-260.

Selmaoui, B., Touitou, Y. (2003). Reproducibility of the circadian rhythms of serum cortisol and melatonin in healthy subjects. A study of three different 24-h cycles over six weeks. Life Sci., 73, 3339-3349.

Szmigielski, S. (2013). Reaction of the immune system to low-level RF/MW exposures. Science of the Total Environment, 454, 393-400.

Touitou, Y., Selmaoui, B. (2012). The effects of extremely low-frequency magnetic fields on melatonin and cortisol, two marker rhythms of the circadian system. Dialogues in Clinical Neuroscience, 14, 4, 381-399.

FSM-Forschungsprojekte zum Thema Hormonsystem

Analyse des Einflusses von HF und NF-EMF auf Signalpfade zwischen Genen und Krankheiten

Prof. Dr. Meike Mevissen, Prof. Dr. Christopher Portier
Universität Bern, Abteilung Veterinär- Pharmakologie & Toxikologie

Grundlagenforschung (Abgeschlossen)

Das Projekt identifiziert mittels statistischer Analysen bestehender Studien diejenigen Gene, die durch elektromagnetische Felder (Hoch- und Nieder¬frequenz) modifiziert werden und berechnet Korrelationen zu den dazugehörigen Signalwegen mit Krankheiten.

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Abschlussbericht zum Download

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