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Gesundheit – Neurodegenerative Erkrankungen

Gehirn eines Alzheimer-Krankheit (AD)-Patienten im Vergleich mit einem gesunden Gehirn. Quelle: wikimedia commons (Text FSM)
Mögliche Ursachen der Alzheimererkrankung. Quelle: FSM (Bild: http://guardianlv.com)

Neurodegenerative Erkrankungen sind durch einen vorwiegend altersbedingten Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet. Dieser führt häufig zu Demenz (Abnahme geistiger Fähigkeiten) und Bewegungsstörungen. Betroffen sind naturgemäss meist ältere Menschen. Beispiele für neurodegenerative Erkrankungen sind:

Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern

Seit Mitte der 90er Jahre wird wissenschaftlich untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und neurodegenerativen Erkrankungen gibt. Einige epidemiologische Studien haben Hinweise geliefert, dass bestimmte Berufsgruppen (wie Elektriker, Elektroniker, Schweisser oder Bahnarbeiter), die verstärkt niederfrequenten Magnetfeldern ausgesetzt sind, ein grösseres Risiko haben, an Alzheimer oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) zu erkranken. Ein höheres Erkrankungsrisiko für Alzheimer und senile Demenz besteht möglicherweise auch für Personen, die über viele Jahre in der Nähe (weniger als 50 m) einer Hochspannungsleitung wohnen – so das Ergebnis einer grossangelegten Schweizer Untersuchung. Allerdings liegen inzwischen gegenteilige Befunde aus Dänemark vor. Die Gründe für die Zusammenhänge sind nicht geklärt. Es sind keine biologischen Mechanismen bekannt, wie elektromagnetische Felder neurodegenerative Erkrankungen hervorrufen könnten. Möglicherweise spielen beim Zusammenhang mit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) elektrische Schläge, denen Elektriker und andere Berufsleute ausgesetzt sind, eine Rolle. Für Parkinson-Krankheit und Multiple Sklerose (MS) liegen keine Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang mit niederfrequenten elektromagnetischen Feldern vor. Für einen Zusammenhang mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern gibt es ebenfalls keine Indizien.

Schlussfolgerung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass es keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und neurodegenerativen Erkrankungen gibt. Allerdings ist die Datenlage unbefriedigend, so dass weitere Forschung auf diesem Gebiet nötig ist.

Ausgewählte Literatur (Übersichtsarbeiten)

Dürrenberger, G., Leuchtmann, P., Röösli, M., Siegrist, M., Sütterlin, B. (2015). Fachliteratur-Monitoring "EMF von Strom-Technologien". BFE, Bern. Publikation 291030, Kapitel 3.3.3.

Frei, P., Poulsen, A., Mezei, G., Pedersen, C., Cronberg Salem, L., Johansen, C., Röösli, M., Schüz, J. (2013). Residential Distance to High-voltage Power Lines and Risk of Neurodegenerative Diseases: a Danish Population-based Case-Control Study. American Journal of Epidemiology Advance Access published April 9, 2013, DOI: 10.1093/aje/kws334.

Huss, A., Spoerri, A., Egger, M., et al. (2009). Residence near power lines and mortality from neurodegenerative diseases: longitudinal study of the Swiss population. American Journal of Epidemiology, 169, 2, 167–175.

Mattsson, M.O., Simko, M. (2012). Is there a relation between extremely low frequency magnetic field exposure, inflammation and neurodegenerative diseases? A review of in vivo and in vitro experimental evidence. Toxicology, 301, 1-3, 1-12.

SCENIHR (Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks) (2015). Opinion on Potential Health Effects of Exposure to Electromagnetic Fields (EMF). European Commission, Brussels. Sections 3.6.2.3, 3.6.2.4, and 3.8.2.3.

Sienkiewicz, Z, Schüz, J, Poulsen, AH, Cardis, E (2010). Risk analysis of human exposure to electromagnetic fields. European Health Risk Assessment Network on Electromagnetic Fields Exposure (EFHRAN): D 2 - Report - risk analysis of human exposure to electromagnetic fields. Brussels: European Commisssion.

Vergara X, Kheifets L, Greenland S, Oksuzyan S, Cho YS, Mezei G (2013). Occupational exposure to extremely low-frequency magnetic fields and neurodegenerative disease: a meta-analysis. J Occup Environ Med, 55, 2, 135–146.

FSM-Forschungsprojekte zum Thema Neurodegenerative Erkrankungen

Neuroinflammation und Mobilfunkexposition – NIMPHE

Prof. Dr. Isabel Lagroye, Dr. Bernard Veyret
ENSCPB - CNRS, PIOM Laboratory

Grundlagenforschung (Abgeschlossen)

Das Projekt untersucht am Tiermodell (Ratten) die Wirkung von GSM-900 und UMTS-1960 Signalen auf das Gehirn (Astroglia- und Mikrogliazellen) um abzuklären, ob und allenfalls welche neuroinflammatorischen Prozesse aktiviert werden.

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Analyse des Einflusses von HF und NF-EMF auf Signalpfade zwischen Genen und Krankheiten

Prof. Dr. Meike Mevissen, Prof. Dr. Christopher Portier
Universität Bern, Abteilung Veterinär- Pharmakologie & Toxikologie

Grundlagenforschung (Abgeschlossen)

Das Projekt identifiziert mittels statistischer Analysen bestehender Studien diejenigen Gene, die durch elektromagnetische Felder (Hoch- und Nieder¬frequenz) modifiziert werden und berechnet Korrelationen zu den dazugehörigen Signalwegen mit Krankheiten.

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In-vivo Studie zu Mobilfunk-Strahlung und Produktion von Radikalen

Prof. Dr. Isabel Lagroye, Dr. Bernard Veyret
ENSCPB - CNRS, PIOM Laboratory

Grundlagenforschung (Abgeschlossen)

Das Projekt untersucht, ob Mobilfunkstrahlung im Hirn von Ratten oxidativen Stress hervorrufen kann. Oxidativer Stress ist auf Zellebene an einer Reihe von gesundheitlichen Risiken wie neurodegenerative Erkrankungen mitbeteiligt.

Publikation/en:
Lagroye I., Haro E., Ladevèze E., Madelon C., Billaudel B., Taxile M., Veyret B. (2007a) Effects of mobile telephony signals exposure on radical stress in the rat brain. in: Twenty-ninth Annual Technical Meeting of the Bioelectromagnetics Society, Kanazawa, Japan (Abstract book).

Lagroye I., Haro E., Ladevèze E., Billaudel B., Taxile M., Veyret B. (2007b) Effects of GSM-1800 exposure on radical stress in rat brain. 8th International Congress of the European BioElectromagnetics Association, Bordeaux, France (Abstract book).

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