Zum Thema Gendoping

Eine Analyse zur Lage der nichtionisierenden Kommunikation.
Von Satiriker Eugen M. Funk (emf).

22.09.2008

Rechtzeitig auf die olympischen Spiele hin ist ein Wissenschaftsthriller zum Thema Gendoping auf den Markt gekommen. Ich empfand das Buch als eine ziemliche Frechheit. Nicht nur, dass es mir den Genuss am Sport vermieste – ist Usain Bolt am Ende wie Jesse Brown bloss einem frankenstein‘schen Labor entsprintet? – ich ärgerte mich auch massloss darüber, dass sich der Roman trotz anders lautenden Rezensionen nicht auf dem aktuellen Stand des Wissens befand. Dem Autor hätte bloss ein kurzer Blick in die laufende Mobilfunkforschung gereicht um zu erkennen, dass die Wissenschaft viel weiter ist als er im Buch vorgibt. Die vergleichsweise uninteressante Frage des Dopings von Athleten lockt heute doch keinen müden Genmechaniker mehr hinter seiner Klonbank hervor. Die internationale Spitzenforschung arbeitet längst und mit Hochdruck an der weit spannenderen Frage, wie man die Leistungsfähigkeit der Gene und der DNA selbst steigern kann. Der Durchbruch ist dem Reflex-Team der Medizinischen Universität in Wien gelungen. Mit wissenschaftlichem feu sacré, vom bewährten Brandbeschleuniger „Verum“ auf die nötige Betriebstemperatur gebracht, konnte es in akribischer Handarbeit und mit Hilfe einer hochkomplexen Ent-Blindungstechnologie aus einem Zürcher Forschungslabor die natürliche Rate von DNA-Strangbrüchen auf ein Niveau hinaufdopen, das bislang als schlicht unerreichbar galt. Leider wurde der märchenhafte Erfolg der Wiener Forschungsgruppe von einem Bremer Stadtmusikanten, zusammen mit dem bösen Wolf, noch bevor er patentrechtlich geschützt werden konnte, publik gemacht. Vielleicht ist es aber gut, dass der Buchautor diese aktuelle Entwicklung verschlafen hat. Sonst hiesse es am Ende noch: in diesem Roman ist doch eh alles frei erfunden. (emf)