Zum Thema Postfaktisch

Eine Analyse zur Lage der nichtionisierenden Kommunikation.
Von Satiriker Eugen M. Funk (emf).

12.01.2017

Seit einiger Zeit geistert ein neues Modewort in der Öffentlichkeit herum: postfaktisch. Es bezeichnet eine Geisteshaltung, die Fakten, wenn sie der eigenen Ansicht zuwider laufen, ignoriert und Erzählungen, die die persönliche Meinung stützen, ungeprüft akzeptiert. So werden dann Dinge als Fakten ausgegeben und verbreitet, die eigentlich gar keine sind. Eine solche Geisteshaltung zeigte sich kürzlich in der Ständeratsdiskussion zur Motion Noser. Die Motion forderte eine Lockerung der Strahlenschutzverordnung NISV. Die Gegner des Vorstosses beriefen sich in der Debatte wesentlich auf Zuschriften und Emails von Bürgerinnen und Bürgern, die sich über eine mögliche Erhöhung der Anlagegrenzwerte besorgt zeigten, weil das gesundheitliche Risiken berge. Wo Rauch ist, sagten sich wohl manche unserer Kantonsvertreter, da muss auch Feuer sein. Als eingefleischter Westernfan, der seinen Karl May gelesen hat, weiss ich natürlich, dass Rauch ein beliebtes strategisches Kommunikationsmittel ist. Und dass dafür eigens Feuer gelegt wird. Und dass man auf diese Art Gegner verwirren kann, wie das die fiesen Komantschen mit den edlen Appachen gemacht haben. Betrachtet man vor diesem Hintergrund das Abstimmungsresultat im Berner Wigwam, scheint es, dass das ständerätliche Pow-Wow gezielt mit so viel postfaktischem Qualm eingenebelt wurde, dass die Sinne der Mehrheit unsere kantonalen Stammesbrüder den Dienst quittierten. (emf)