Zum Thema US-Wahlen

Eine Analyse zur Lage der nichtionisierenden Kommunikation. Von Satiriker Eugen M. Funk (emf).

10.11.2020

Nun sind sie vorüber, die US Wahlen 2020. Joe Biden ist ihr Sieger. Voraussichtlich. Denn Donald Trump stemmt sich gegen die Realität und werkelt ebenso verbissen wie überzeugt an einer Wahlbetrugstheorie. Wird er je Anstalten machen abzutreten? Auch wenn er politisch oder juristisch dazu gezwungen wird, dürfte er nicht einfach weg vom Fenster sein. Er wird die Welt weiter zutwittern und zulügen, denn er braucht Gefolgschaft - und die republikanische Gemeinschaft ihren Messias. Das wird sich erst ändern, wenn Politik nicht mehr mit Glauben und Behauptungen nicht mehr mit Tatsachen verwechselt werden. All das erinnert mich irgendwie an den Mobilfunk. Die Ablösungen sind da zwar nicht streng periodisch, aber einigermassen regelmässig werden auch in dieser Arena alte durch neue Generationen ersetzt. Und das nicht mit weniger Getöse, denn jeder Wechsel ist wahlkampfmässig orchestriert - eine Fraktion bewirbt ihn, eine zweite bekämpft ihn. Wie im Rennen um die Präsidentschaft ist dabei mobilisieren beliebter als informieren, nacherzählen wichtiger als überprüfen, Gräben aufreissen erfolgversprechender als Brücken bauen. Deshalb kursieren auch in unseren Debatten die abstrusesten Geschichten, die man, wie das Trump und seine Truppe bewiesen haben, nur ausreichend lange wiederholen muss, um Leute und Institutionen selbst in vergleichsweise aufgeklärten Milieus zu verunsichern und zu spalten. Ein Blick auf die jüngeren Abstimmungsresultate zu den Mobilfunkgeschäften in unserem Parlament zeigt das eindrücklich. Es gibt weitere Parallelen: Auch im Mobilfunk wird jeder neuen Generation der Amtsantritt mit Einsprachen schwer gemacht und jede neue Generation weiss: nach der Wahl ist vor der Wahl. Also, liebe kritische US-Wahlbeobachter: wir können uns mit guten Gründen über die amerikanischen Verhältnisse wundern, entrüsten oder amüsieren, aber vergessen wir dabei nicht, dass wir - auf anderem politischem Terrain - dasselbe Trauerspiel schon sehr lange selber veranstalten. (emf)