Zum Thema Vögel

Eine Analyse zur Lage der nichtionisierenden Kommunikation. Von Satiriker Eugen M. Funk (emf).

07.02.2019

Seit einigen Wochen kursiert im Netz ein Video, das 5G als Teufelszeugs und Bedrohung der Menschheit darstellt. Im Stil eines seriösen TV-Nachrichtenmagazins wird über Gefahren von 5G berichtet: allgegenwärtige Mobilfunkfelder, tote Vögel, gesundheitliche Risiken, totale Überwachung. Am Ende der Aufruf, das Video mit möglichst vielen Leuten zu teilen. Was offenbar fleissig gemacht wird. Aber warum, frage ich mich, teilen Leute einen sachlich fragwürdigen Film? Vielleicht weil er so offensichtlich fragwürdig ist, dass er bereits wieder als lustig empfunden wird? Möglich. Ebenso gut möglich: weil man über 5G wenig weiss und erst mal glaubt, was kritisch ist. Das läge im Trend, denn mehr und mehr verbreitet sich eine Kultur des vorsätzlichen Misstrauens und naiven Zweifelns gegenüber allem, was die eigene Meinungsblase in Frage stellt und/oder was „von denen da oben“ kommt. Auf genau diese Reflexe zählt der Macher des Videos, der einschlägig bekannte christliche Religionseiferer Ivo Sasek. Er ist ein einheimisches Gewächs und hat bis heute nicht nur 11 Kinder sondern auch manch abstruse Idee gezeugt. Zu letzterem zählt die Behauptung, ein 5G Testbetrieb in Den Haag habe Dutzende Vögel getötet. Im Video werden dazu Vogelkadaver gezeigt, und immer wieder Antennen. Ich bin der Sache nachgegangen und habe eine Forscherin in Holland, die sich auf diesem Gebiet auskennt, kontaktiert: in Den Haag fanden gar nie 5G-Testversuche statt. Und der Tod von Staren ist kein plötzliches Ereignis sondern wurde seit längerem beobachtet und wird von den Behörden untersucht. Möglicherweise liegt es an stark alkoholisierten Früchten, welche die Tiere gefressen haben. Im Klartext: nicht die Technologie ist schädlich für Mensch und Vogel, sondern hier bedroht ein ganz spezieller Vogel Mensch und Technologie. (emf)