Zum Thema Wettbewerb

Eine Analyse zur Lage der nichtionisierenden Kommunikation.
Von Satiriker Eugen M. Funk (emf).

02.12.2009

Wer gegenwärtig behauptet, dass ein gesunder Wettbewerb eine Vielzahl von Anbietern braucht, wird mit Sicherheit als unbelehrbar neoliberaler Idealist abgestraft. In der Tat zählt es heute zu den Binsenwahrheiten, dass ein Markt auch mit drei oder weniger Akteuren funktionieren kann. Schon vor 10 Jahren war das unserem Regulator bekannt, als er den Mobilfunkmarkt liberalisierte: drei Anbieter würden einen harten Infrastrukturwettbewerb garantieren, der die Preise von Drahtlosminuten nur so zum purzeln bringen wird. Wie wir wissen, hat sich diese Hoffnung nicht in vollem Umfang erfüllt. Schuld daran ist die offensichtlich immer noch zu grosse Anzahl an Marktteilnehmern. Das haben selbst die Provider erkannt und zur Selbsthilfe gegriffen. Zuerst entzogen Orange und Sunrise ihre Netze dem nicht-funktionierenden freien Wettbewerb und entliessen sie in den ungleich härter regulierten Alcatel-Lucent-internen Markt. Dieses post-neoliberale Modell scheint zu funktionieren, denn letzte Woche haben Orange und Sunrise bekannt gegeben, dass sie sich nun ihrerseits dem harten Wind innerbetrieblicher Wettbewerbskultur stellen möchten und deshalb fusionieren würden. Der Regulator hat diesen mutigen Schritt begrüsst und ist überzeugt, dass dadurch der Geist der Konkurrenz neu entfacht würde. Die Marktlogik zu Ende gedacht hat aber erst der CEO von Swisscom, Carsten Schloter. In einem Tages Anzeiger Interview (TA vom 28. November) meinte er: „Die Preise werden jedes Jahr 7 bis 10% sinken – unabhängig davon ob es einen Mitbewerber weniger gibt oder nicht“. Freuen wir uns also auf die Zukunft: sobald Swisscom den letzten Mitbewerber verdrängt hat, ist endlich Schluss mit marktverzerrender Konkurrenz. Der Staatsriese wird sich dann endlich dem harten Monopolwettbewerb stellen können und die Preise werden subito auf europäisches Niveau fallen. Irgendwie, dünkt mich, eilen die Telcos den anderen Branchen wettbewerbsmässig Meilen voraus – und zwar mehr als nur die letzte. (emf)