Zum Thema Wilhelm Tell

Eine Analyse zur Lage der nichtionisierenden Kommunikation. Von Satiriker Eugen M. Funk (emf).

20.12.2017

Nach langer Abstinenz habe ich Ende Oktober wieder einmal eine Sonntagszeitung gekauft. Dabei ist mir ein zweiseitiges Inserat aufgefallen. Nur Text. Kein einziges Bild. Unterschrieben von Urs Schäppi, unserem obersten Telifönler. In wohlformulierten Sätzen erklärt der Chef der Swisscom den Fortschritt der Telekommunikationstechnologie seit Philipp Reis. Eine unterhaltende Seite lang erzählt er Anekdoten aus Deutschland, Amerika und der Schweiz, über Tüftler, Industrielle und Telefonistinnen. Um dann auf der zweiten Seite ein flammendes Plädoyer auf die zukünftigen Technologien zu halten. Deren Implementierung wir hierzulande keinesfalls verschlafen dürften. Auf deren Infrastruktur wir zur Stärkung der Innovationskraft der Schweiz dringend angewiesen seien. Dafür setze sich die Swisscom unseres Landes willen vehement ein. Ich glaube das Herrn Schäppi. Schliesslich ist er einer von uns. Er ist kein Teflon-Manager, kein Abgesandter eines karibischen Investment-Fonds, kein Statthalter fremder Herren. Wer die hiesige Volksschule absolviert und damit helvetische Muttermilch getrunken hat, der sympathisiert immer mit Wilhelm Tell, nicht mit Hermann Gessler. Trotz dieser tiefverwurzelten Prägung hat mich das erwähnte Inserat dennoch nicht restlos überzeugt. Darum warte ich jetzt auf ein follow-up, in dem mir sachlich erklärt wird, was die zukunftsträchtige 5G-Technologie denn genau ist, warum wir sie so dringend brauchen, weshalb wir dafür die NISV lockern sollten und was die Swisscom in dieser Sache genau vorhat. Denn: Tell hat immer Klartext gesprochen, nicht bloss Gefolgschaft erwartet. Letzteres war eher Gessler’s Ansatz. Der hat nämlich das Volk vor seinem Schäppi, pardon: vor seinem Chäppi grüssen lassen. (emf)