Zum Thema Wohlbefinden

Eine Analyse zur Lage der nichtionisierenden Kommunikation.
Von Satiriker Eugen M. Funk (emf).

04.04.2006

Neulich ertappte ich in der Langstrasse in Zürich einen Bekannten, wie er sich vor der St. Pauli Bar einen dubiosen Mehrwertdienst auf sein Handy herunterlud. Süffisant fragte ich ihn, ob er denn überhaupt den Unterschied zwischen einem normalen und seinem neuen UMTS-Handy kenne. Locker meinte er, dass er sich in den handelsüblichen Techniken bestens auskenne, wie ich ja wohl sehen würde! Was ich denn genau wissen wolle? Ohne meine Antwort abzuwarten, liess er sein Gerät ins lederne Gürtelhalfter gleiten, das an seiner linken Hüfte baumelte, und erklärte mir, während er zwei leicht beschürzten Damen nachschaute, dass bei UMTS eine neuartige Spreiztechnik, man nenne sie CDMA, zum Einsatz käme, die es erlauben würde, mehrere Kunden gleichzeitig zu bedienen. GSM sei dagegen traditionelle Technik, da könnten die Kunden nur nacheinander denselben Kanal nutzen. Ich schaute ihn irritiert an und sagte, dass ich nicht an seinen derben Phantasien interessiert wäre. Mit entrüsteter Miene entgegnete er, dass er über Handy-Technik rede und nichts anderes, und führte seine Aufklärungsarbeit fort: bei GSM würde man mit einer Pulsrate von 217 arbeiten, was nicht übel sei, aber viel interessanter sei die UMTS-Technik, denn da benütze man breitbandigen Kode. Selbstverständlich würde jeder Kunde immer nur seinen eigenen Kode verwenden. Als mir der Bekannte schliesslich noch erklären wollte, wie es um den Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Eindringtiefen bestellt sei - denn die Körperpenetration von UMTS- und GSM-Strahlung sei unterschiedlich - da entschuldigte ich mich wegen eines dringenden Termins, den ich seiner Ausführungen wegen beinahe vergessen hätte. Ich war nämlich gerade auf dem Weg zur Bilanzpressekonferenz meines Handyanbieters. Genau besehen denke ich jetzt aber, dass ich für heute genug zum Verkehrsaufkommen in dieser Branche erfahren habe. (emf)