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Gesundheit – Befindlichkeit und Verhalten

Elektrosensible Personen fühlen sich durch schwache elektromagnetische Felder weit unterhalb der anerkannten Grenzwerte beeinträchtigt. Oft leiden sie unter Symptomen wie störenden Ohrgeräuschen (Quelle: Buwal, 2005, Elektrosmog in der Umwelt, S.11)

Die Menschen haben von Natur aus keine Sinnesorgane, um schwache elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder (EMF) direkt wahrzunehmen. Dennoch berichten immer wieder Personen, dass Sie gegenüber solchen Feldern besonders empfindlich seien.

Elektrosensivität und Elektrosensibilität

Häufig wird zwischen Elektrosensitivität und Elektrosensibilität unterschieden.

Elektrosensitive Menschen können schwache elektromagnetische Felder wahrnehmen, ohne dabei unbedingt gesundheitliche Symptome zu entwickeln. Die Wahrnehmung betrifft nur niederfrequente Felder (Netzstrom) und beruht auf einer feinen Ausrichtung der Flaumhaare im elektrischen Feld. Elektrosensible Personen führen ihre Gesundheitsbeschwerden direkt auf elektromagnetische Felder zurück. Sie werden daher auch als elektromagnetisch hypersensibel (EHS) bezeichnet.*

Folgende Symptome werden von EHS-Patienten am häufigsten genannt:

  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schwindel
  • Hautreizungen

Die geschilderten Befindlichkeitsstörungen sind sehr unspezifisch und keinem einheitlichen Krankheitsbild zuzuordnen. Sie können durch niederfrequente Felder (z.B. Hochspannungsleitungen, Bildschirme) und durch hochfrequente Felder (Mobiltelefone, Basisstationen) ausgelöst werden. Weil es keine objektive Diagnose gibt, ist Elektrosensibilität eine subjektive Ursachenzuschreibung der betroffenen Personen.

 

*In der Wissenschaft gibt es hierfür noch keinen einheitlichen Sprachgebrauch. Die Weltgesundheitsorganisation verwendet den allgemeinen Begriff  „Idiopathische Umweltintoleranz“. Der Begriff idiopathisch setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern idios=eigen und pathos=Leiden und meint eine Krankheit ohne fassbare Ursachen.

Verhalten

In den letzten Jahren wurde auch untersucht, ob Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern etwas mit dem Mobiltelefongebrauch ihrer Mütter während der Schwangerschaft zu tun haben könnten. Die Resultate dazu sind widersprüchlich. Einige Studien fanden einen solchen Zusammenhang, andere nicht. Die Autoren geben zu bedenken, dass ein Reihe von Faktoren, die sie nur teilweise zu berücksichtigen bzw. abzuschätzen vermochten, die Resultate in die eine oder andere Richtung verzerrt haben könnten. Insgesamt kann von einigen schwachen Hinweisen auf einen möglichen Zusammenhang gesprochen werden. Ein gültiger Schluss ist noch nicht möglich.

Ursachen

In zahlreichen Studien wurde der Einfluss elektromagnetischer Felder auf elektrosensible Personen sowohl unter kontrollierten Laborbedingungen, als auch am Arbeitsplatz und im Wohnumfeld untersucht. Die meisten Studien zeigen, dass die Betroffenen nicht in der Lage sind elektromagnetische Felder zu erkennen. Sie reagieren auch nicht empfindlicher auf elektromagnetische Felder als der Rest der Bevölkerung. Insgesamt konnte kein direkter Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und Gesundheitsbeschwerden nachgewiesen werden. 

Heute wird davon ausgegangen, dass die Beschwerden unter denen Elektrosensible leiden, durch verschiedene Faktoren hervorgerufen bzw. beeinflusst werden. Hierzu zählen unter anderem:

  • Stress und Überlastung
  • Ängste vor möglichen Gesundheitsfolgen
  • schwierige Lebenssituationen
  • negative Umwelteinflüsse wie Lärm, Raumluft oder flackerndes Licht
  • Krankheiten, an denen die Betroffenen leiden

Ungeklärt ist auch die Frage, ob bei den erwähnten Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern, falls diese mit dem mobilen Telefonieren der Mütter zu tun haben, die elektromagnetischen Felder eine Rolle spielen oder ob es eher am Telefonieren als Aktivität liegt.

Schlussfolgerungen

Elektrosensibilität ist durch eine Vielzahl von unspezifischen Symptomen charakterisiert, die sich von Person zu Person unterscheiden. Obwohl die empfundenen Gesundheitsbeschwerden real sind und Patienten darunter leiden, gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass elektromagnetische Felder, wie es die Patienten vermuten, die Leiden verursachen. Die empfundenen Beschwerden erfordern eine grundlegende medizinische Untersuchung zur Symptomatik sowie eine breite Abklärung möglicher Ursachen am Arbeitsplatz und im häuslichen Umfeld.

Ausgewählte Literatur (Übersichtsarbeiten)

Baliatsas, C., Van Kamp, I., Lebret, E., Rubin, G.J. (2012). Idiopathic environmental intolerance attributed to electromagnetic fields (IEI-EMF): a systematic review of identifying criteria. BMC Public Health, 12, 643-666.

Dürrenberger, G., Leuchtmann, P., Röösli, M., Siegrist, M., Sütterlin, B. (2015). Fachliteratur-Monitoring "EMF von Strom-Technologien". BFE, Bern. Publikation 291030, Kapitel 3.3.5.

Dürrenberger, G., Hillert, L., Kandel, S., Oftedal, G., Rubin, G.J., van Rongen, E., Vogel, E. (2011) Intolerance attributed to electromagnetic fields (IEI-EMF) or 'electromagnetic hypersensitivity', COST BM0704 Factsheet (32 KB). 

Health Council of the Netherlands: Electromagnetic Fields Committee (2009). Electromagnetic Fields. The Hague, Health Council of the Netherlands.

Independent Advisory Group on Non-Ionising Radiation (AGNIR) (2012). Health effects from radiofrequency electromagnetic fields.  U.K. Health Protection Agency, Oxfordshire. Chapter 6, 232-256.

Röösli, M., Hug, K. (2011). Wireless communication fields and non-specific symptoms of ill health: a literature revew. Wien Med Wochenschr 161/9-10, 240-250.

Röösli, M., Mohler, E., Frei, P. (2010). Sense and sensibility in the context of radiofrequency elecromagnetic field exposure. C. R. Physique, 11, 576-584.

Rubin, G.J., Hillert L., Nieto-Hernandez R., van Rongen E., Oftedal G. (2011). Do people with Idiopathic Environmental Intolerance attributed to electromagnetic fields display physiological effects when exposed to electromagnetic fields? A systematic review of provocation studies. Bioelectromagnetics,  Article first published online: 18 JUL 2011, DOI: 10.1002/bem.20690

SCENIHR (Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks) (2015). Opinion on Potential Health Effects of Exposure to Electromagnetic Fields (EMF). European Commission, Brussels. Sections 3.6.3 and 3.8.3.1.

WHO - World Health Organization. (2005). Electromagnetic fields and public health - Electromagnetic hypersensitivity. WHO fact sheet 296. Available from: http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs296/en/index.html

FSM-Forschungsprojekte zum Thema Befindlichkeit und Verhalten

Analyse des Einflusses von HF und NF-EMF auf Signalpfade zwischen Genen und Krankheiten

Prof. Dr. Meike Mevissen, Prof. Dr. Christopher Portier
Universität Bern, Abteilung Veterinär- Pharmakologie & Toxikologie

Grundlagenforschung (Abgeschlossen)

Das Projekt identifiziert mittels statistischer Analysen bestehender Studien diejenigen Gene, die durch elektromagnetische Felder (Hoch- und Nieder¬frequenz) modifiziert werden und berechnet Korrelationen zu den dazugehörigen Signalwegen mit Krankheiten.

Publikation/en:
Parham, F.,  Portier, C.J., Chang, X., Mevissen, M. (2016). The Use of signal-Transduction and Metabolic Pathways to Predict human Disease Targets from electric and Magnetic Fields Using in vitro Data in human cell lines. Frontiers in Public Health, 4, article 193. Download  Peer reviewed

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Umweltmedizinische Beratungsstruktur im Praxisalltag: Machbarkeit, Bedarf und Nutzen

Prof. Dr. Martin Röösli, Dr. Anke Huss
Universität Basel, Swiss TPH

Grundlagenforschung (Abgeschlossen)

Das Projekt klärt den Bedarf für eine umweltmedizinische Beratungsstruktur in der Schweiz ab. Der Fokus liegt auf Abklärungen des Beratungsbedarf , der Anliegen und des Erfolg von Beratungsangeboten im Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern.

Publikation/en:
Röösli, M., Frei, P., Bolliger-Salzmann, H., Barth, J., Hlavica, M., Huss, A. (2011b). Erkenntnisse aus der Pilotphase des umweltmedizinischen Beratungsnetzwerkes. Oekoskop 2/11, 16-18.

Röösli, M., Frei, P., Bolliger-Salzmann, H., Barth J., Hlavica, M., Huss, A. (2011a). Umweltmedizinisches Beratungsnetzwerk von Hausärzten: ein Schweizer Pilotprojekt. In: Umweltmedizin in Forschung und Praxis, 16, 3, 123-132. Download  Peer reviewed

Röösli, M., Frei, P., Bolliger-Salzmann, H., Barth, J., Hlavica, M., Huss, A. (2011c). Umweltmedizinische Beratungsstruktur im Praxisalltag: Machbarkeit, Bedarf und Nutzen. Begleitstudie. Swiss TPH, Basel. Download

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Einfluss von UMTS Radiofrequenz Feldern auf das Wohlbefinden und kognitive Funktionen bei elektrosensiblen und nicht-elektrosensiblen Personen

PD Dr. Peter Achermann, Prof. Dr. Niels Kuster, Prof. Dr. Martin Röösli
Universität Zürich, Institut für Pharmakologie und Toxikologie

Grundlagenforschung (Abgeschlossen)

TNO Anschlussstudie Ziel des Projektes ist die Replikation der TNO-Studie, in welcher der Einfluss von Mobilfunkstrahlung auf das Wohlbefinden und kognitive Funktionen bei Menschen mit und ohne subjektive Elektrosensibilität untersucht wurde.

Publikation/en:
Regel, S.J., Negovetic, S., Röösli, M., Berdiñas, V., Schuderer, J., Huss, A., Lott, U., Kuster, N., Achermann, P. (2006) UMTS base station-like exposure, well being and cognitive performance, in: EHP 2006, 114, 1270-1275.  Peer reviewed

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Machbarkeits-Studie zu epidemiologischen Studien über mögliche Gesundheitseffekte durch Basisstationen

Dr. Georg Neubauer, Prof. Dr. Leeka Kheifets, Prof. Dr. Yngve Hamnerius
Austrian Research Centers GmbH - ARC

Grundlagenforschung (Abgeschlossen)

In diesem Projekt untersuchen führende internationale Wissenschafter der Fachgebiete Epidemiologie und Hochfrequenzdosimetrie gemeinsam die Durchführbarkeit epidemiologischer Studien über gesundheitliche Effekte infolge der Exposition gegenüber Mobilfunkbasisstationen.

Publikation/en:
Neubauer, G., Feychting, M., Hamnerius, Y., Kheifets, L., Kuster, N., Ruiz, I., Schüz, J., Überbacher, R., Wiart, J., Röösli, M. (2007a). Feasibility of future epidemiological studies on possible health effects of mobile phone base stations. Bioelectromagnetics, 28, 224-230. Download

Röösli, M., Feychting, M., Hamnerius, Y., Kheifets, L., Kuster, N., Ruiz, I., Schüz, J., Wiart, J., Neubauer, G. (2006a) Feasibility of future epidemiological studies on possible health effects of mobile phone base stations. Joint Conference of the International Society for Environmental Epidemiology (ISEE) and the International Society for Exposure Assessment (ISEA), September 2-6, 2006, Paris, in: Epidemiology, 17, 6, 74.

Neubauer, G., Röösli, M., Feychting, M., Hamnerius, Y., Kheifets, L., Kuster, N., Ruiz, I., Schüz, J. and Wiart, J. (2005a) Study on the feasibility of future epidemiological studies on health effects of mobile telephone base stations: dosimetric criteria for an epidemiological base station study. Abstract submitted to WHO meeting on Base Stations Geneve 2005.

Neubauer, G., Röösli, M., Feychting, M., Hamnerius, Y., Kheifets, L., Kuster, N., Ruiz, I., Schüz, J., Überbacher, R., Wiart, J. (2005b). Study on the feasibility of epidemiological studies on health effects of mobile telephone base stations. Final Report. March 2005, Austrian Research Center Seiberdorf, ARC-IT-0124.

Neubauer, G., Röösli, M., Feychting, M., Hamnerius, Y., Kheeifets, L., Kuster, N., Schüz J. and Wiart, J. (2004) Feasibility of future epidemiological studies on possible health effects of mobile phone base stations in: BEMS 2004 Washington DC (Abstract CD).

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