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Gesundheit – Befindlichkeit und Verhalten

Die Menschen haben von Natur aus keine Sinnesorgane, um schwache elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder (EMF) direkt wahrzunehmen. Dennoch berichten immer wieder Personen, dass Sie gegenüber solchen Feldern besonders empfindlich seien.

Elektrosensivität und Elektrosensibilität

Häufig wird zwischen Elektrosensitivität und Elektrosensibilität unterschieden.

Elektrosensitive Menschen können schwache elektromagnetische Felder wahrnehmen, ohne dabei unbedingt gesundheitliche Symptome zu entwickeln. Die Wahrnehmung betrifft nur niederfrequente Felder (Netzstrom) und beruht auf einer feinen Ausrichtung der Flaumhaare im elektrischen Feld. Elektrosensible Personen führen ihre Gesundheitsbeschwerden direkt auf elektromagnetische Felder zurück. Sie werden daher auch als elektromagnetisch hypersensibel (EHS) bezeichnet.*

Folgende Symptome werden von EHS-Patienten am häufigsten genannt:

  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schwindel
  • Hautreizungen

Die geschilderten Befindlichkeitsstörungen sind sehr unspezifisch und keinem einheitlichen Krankheitsbild zuzuordnen. Sie können durch niederfrequente Felder (z.B. Hochspannungsleitungen, Bildschirme) und durch hochfrequente Felder (Mobiltelefone, Basisstationen) ausgelöst werden. Weil es keine objektive Diagnose gibt, ist Elektrosensibilität eine subjektive Ursachenzuschreibung der betroffenen Personen.

 

*In der Wissenschaft gibt es hierfür noch keinen einheitlichen Sprachgebrauch. Die Weltgesundheitsorganisation verwendet den allgemeinen Begriff  „Idiopathische Umweltintoleranz“. Der Begriff idiopathisch setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern idios=eigen und pathos=Leiden und meint eine Krankheit ohne fassbare Ursachen.

Verhalten

In den letzten Jahren wurde auch untersucht, ob Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern etwas mit dem Mobiltelefongebrauch ihrer Mütter während der Schwangerschaft zu tun haben könnten. Die Resultate dazu sind widersprüchlich. Einige Studien fanden einen solchen Zusammenhang, andere nicht. Die Autoren geben zu bedenken, dass ein Reihe von Faktoren, die sie nur teilweise zu berücksichtigen bzw. abzuschätzen vermochten, die Resultate in die eine oder andere Richtung verzerrt haben könnten. Insgesamt kann von einigen schwachen Hinweisen auf einen möglichen Zusammenhang gesprochen werden. Ein gültiger Schluss ist noch nicht möglich.

Ursachen

In zahlreichen Studien wurde der Einfluss elektromagnetischer Felder auf elektrosensible Personen sowohl unter kontrollierten Laborbedingungen, als auch am Arbeitsplatz und im Wohnumfeld untersucht. Die meisten Studien zeigen, dass die Betroffenen nicht in der Lage sind elektromagnetische Felder zu erkennen. Sie reagieren auch nicht empfindlicher auf elektromagnetische Felder als der Rest der Bevölkerung. Insgesamt konnte kein direkter Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und Gesundheitsbeschwerden nachgewiesen werden. 

Heute wird davon ausgegangen, dass die Beschwerden unter denen Elektrosensible leiden, durch verschiedene Faktoren hervorgerufen bzw. beeinflusst werden. Hierzu zählen unter anderem:

  • Stress und Überlastung
  • Ängste vor möglichen Gesundheitsfolgen
  • schwierige Lebenssituationen
  • negative Umwelteinflüsse wie Lärm, Raumluft oder flackerndes Licht
  • Krankheiten, an denen die Betroffenen leiden

Ungeklärt ist auch die Frage, ob bei den erwähnten Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern, falls diese mit dem mobilen Telefonieren der Mütter zu tun haben, die elektromagnetischen Felder eine Rolle spielen oder ob es eher am Telefonieren als Aktivität liegt.

Schlussfolgerungen

Elektrosensibilität ist durch eine Vielzahl von unspezifischen Symptomen charakterisiert, die sich von Person zu Person unterscheiden. Obwohl die empfundenen Gesundheitsbeschwerden real sind und Patienten darunter leiden, gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass elektromagnetische Felder, wie es die Patienten vermuten, die Leiden verursachen. Die empfundenen Beschwerden erfordern eine grundlegende medizinische Untersuchung zur Symptomatik sowie eine breite Abklärung möglicher Ursachen am Arbeitsplatz und im häuslichen Umfeld.

Ausgewählte Literatur (Übersichtsarbeiten)

Übersicht 2019 zu Mobilfunk und Elektrosensibilität

Übersicht 2019 zu Mobilfunk und Nozeboeffekten

Übersicht 2019 zu Mobilfunk und Verhalten allgemein

Übersicht 2019 zu Mobilfunk und Verhalten von Kindern und Jugendlichen

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WHO - World Health Organization. (2005). Electromagnetic fields and public health - Electromagnetic hypersensitivity. WHO fact sheet 296. Available from: http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs296/en/index.html

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