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Gesundheit – Krebs

Leukämie

Leukämie ist eine Erkrankung des blutbildenden Systems, bei der sich die weissen Blutkörperchen nicht korrekt entwickeln oder zu stark vermehren. Mikroskopaufnahme. Violett eingefärbt: leukämische Zellen, grau: rote Blutkörperchen. Quelle: wikimedia commons
Inzidenz (Anzahl jährliche Neuerkrankungen pro 100'000 Personen) nach Alter von akuter lymphatischer Leukämie (ALL). Quelle: wikimedia commons.

Bei Leukämie handelt es sich um eine bösartige Erkrankung des Blutsystems („Blutkrebs“), bei der sich die weissen Blutkörperchen krankhaft und unkontrolliert vermehren (Bild rechts, oben). 2.5% aller Krebsneuerkrankungen sind Leukämien. Es werden verschiedene Leukämiearten unterschieden. Die akute lymphatische Form (ALL) kommt vergleichsweise häufig im Kindesalter vor (Grafik rechts unten). Die Ursachen von Leukämie sind noch nicht geklärt. Diskutiert werden auslösende Faktoren wie

  • Chemikalien
  • Ionisierende Strahlungen
  • Verschiedene Viren
  • Genetische Vorbelastungen

Der Einfluss elektromagnetischer Felder

Seit 30 Jahren stehen niederfrequente Magnetfelder, wie sie von Anlagen der Stromversorgung und von elektrischen Geräten erzeugt werden, im Verdacht, das Leukämierisiko für Kinder zu erhöhen. In einigen epidemiologischen Studien wurde ein messbarer Zusammenhang zwischen Kinderleukämie und der Stärke von Magnetfeldern in Wohnungen in der Nähe von Hochspannungsleitungen gefunden. Diesen Studien zufolge, besteht für Kinder möglicherweise bei einer langzeitigen (mehrjährigen) Exposition über einer kritischen Feldstärke (0,4 Mikrotesla) ein doppelt so hohes Risiko an Leukämie zu erkranken. Für die Schweiz würde das hochgerechnet etwa einen Fall von zusätzlicher Kinderleukämie pro Jahr bedeuten. Über einen allfälligen biologischen Wirkungsmechanismus ist nichts bekannt.

Bezüglich Leukämien und Lymphomen bei Erwachsenen sind die Befunde sowohl bei häuslicher als auch bei beruflicher Exposition uneinheitlich. In den neueren Studien scheinen die Risiken eher abgenommen zu haben. Die Studien welche Risikoerhöhungen ausweisen, sind heterogen bezüglich Tumorarten und Expositionserfassung. Insgesamt kann man von Verdachtsmomenten sprechen. 

Aufgrund (i) der gefundenen statistischen Zusammenhänge zwischen Hochspannungsleitungen und Leukämien - primär Kinderleukämie - und (ii) eines fehlenden Kausalnachweises hat die WHO niederfrequente Magnetfelder als "möglicherweise krebserregend" eingestuft. Man beachte dabei: viele im Alltag konsumierte oder anzutreffende Substanzen gehören in diese Kategorie.

Einzelne Studien geben auch Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Kinderleukämie in der Umgebung von Radio- und TV-Anlagen. Diese Hinweise sind jedoch spärlich und kontrovers und betreffen Einzelfälle von Anlagen. Systematische Untersuchungen an vielen Anlagen konnten bislang keinen Zusammenhang mit Kinderleukämie nachweisen. Dieser Befund gilt auch für den Mobilfunk. Zurzeit gibt es keine stichhaltigen Beweise, dass Handys oder Mobilfunkstationen ein Risikofaktor für Leukämie bei Kindern oder Erwachsenen sind.

Schlussfolgerungen

Ein wissenschaftlicher Nachweis für ein erhöhtes Leukämierisiko durch nieder- oder hochfrequente elektromagnetische Felder gibt es bisher nicht. Es gibt jedoch Hinweise auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko bei Kindern, die in der Nähe von Hochspannungsleitungen wohnen. Falls der Zusammenhang wirklich existiert, müsste in der Schweiz mit etwa einem zusätzlichen Fall von Kinderleukämie pro Jahr gerechnet werden.

Ausgewählte Literatur (Übersichtsarbeiten)

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Hug, K., Röösli, M. (2013). Strahlung von Sendeanlagen und Gesundheit. Bewertung von wissenschaftlichen Studien im Niedrigdosisbereich. Stand: Dezember 2012. Umwelt-Wissen Nr. 1323. Bern: BAFU.

IARC (International Agency for Research on Cancer) (2002). Non-ionizing radiation, part 1: static and extremely low-frequency (ELF) electric and magnetic fields. IARC Monograph 80, Lyon.

Independent Advisory Group on Non-Ionising Radiation (AGNIR) (2012). Health effects from radiofrequency electromagnetic fields.  U.K. Health Protection Agency, Oxfordshire. Chapter 8.3.1.3, 278-280.

Kheifets, L., A. Ahlbom, C. M. Crespi, G. Draper, J. Hagihara, R. M. Lowenthal, G. Mezei, S. Oksuzyan, J. Schuz, J. Swanson, A. Tittarelli, M. Vinceti and V. Wunsch Filho (2010). Pooled analysis of recent studies on magnetic fields and childhood leukaemia. Br J Cancer, 103, 7, 1128-1135.

SCENIHR (Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks) (2015). Opinion on Potential Health Effects of Exposure to Electromagnetic Fields (EMF). Brussels: European Commission. Section 3.8.1.

Schüz, J., Ahlbom, A. (2008). Exposure to electromagnetic fields and the risk of childhood leukaemia: a review. Radiat Prot Dosimetry, 132,2, 202-211.

FSM-Forschungsprojekte zum Thema Leukämie

Analyse des Einflusses von HF und NF-EMF auf Signalpfade zwischen Genen und Krankheiten

Prof. Dr. Meike Mevissen, Prof. Dr. Christopher Portier
Universität Bern, Abteilung Veterinär- Pharmakologie & Toxikologie

Grundlagenforschung (Abgeschlossen)

Das Projekt identifiziert mittels statistischer Analysen bestehender Studien diejenigen Gene, die durch elektromagnetische Felder (Hoch- und Nieder¬frequenz) modifiziert werden und berechnet Korrelationen zu den dazugehörigen Signalwegen mit Krankheiten.

Publikation/en:
Parham, F.,  Portier, C.J., Chang, X., Mevissen, M. (2016). The Use of signal-Transduction and Metabolic Pathways to Predict human Disease Targets from electric and Magnetic Fields Using in vitro Data in human cell lines. Frontiers in Public Health, 4, article 193. Download  Peer reviewed

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